Unterstreichungen als Charakterisierung – Fontane: Unwiederbringlich

Dies ist der dritte Beitrag einer Serie zu Unterstreichungen und Marginalien als Motiv in Romanen und Erzählungen.

Unterstreichungen können wesentlich zur Charakterisierung einer Figur beitragen. Die Tätigkeit des Unterstreichens allein, unabhängig von Inhalt und Form, sagt womöglich bereits etwas über eine Figur aus: Sie steht in einer bestimmten kulturellen Tradition, es findet eine Auseinandersetzung mit einem Text statt und die Person nimmt sich selbst wichtig genug, um diese Auseinandersetzung festzuhalten. Damit aber das Motiv der Unterstreichungen einen wesentlich Beitrag zur Charakterisierung einer Figur leisten kann, ist es nötig, dass die genaueren Umstände bekannt sind: Was genau wurde unterstrichen? Wie wurde unterstrichen? Und womit? In dieser Art ist das Motiv in Fontanes Roman Unwiederbringlich gleich zweifach eingesetzt; die beiden Verwendungen kontrastieren einander. 

Christen Købke: Frederiksborg Slot set fra jægerbakken. Aften (1835) © public domain

Unwiederbringlichspielt zwischen 1859 und 1861 auf Schloss Holkenäs in der Nähe von Glücksburg in Schleswig-Holstein, das damals noch zu Dänemark gehörte,1 sowie in Kopenhagen und auf Schloss Frederiksborg in Hillerød. Die Ehe zwischen Graf Holk und seiner Frau Christine ist nicht mehr so innig wie in den ersten Jahren. Es kommt jetzt immer häufiger zu Spannungen aufgrund ihrer verschiedenen Lebensauffassungen: Sie ist ihm zu ernst, zu streng und zu christlich (nomen est omen), er ist ihr zu leichtlebig und zu unreflektiert. 

Holk wird Ende September 1859 zu seinem intermittierenden Dienst als Kammerherr der fiktiven2 Prinzessin Maria Eleonore, Tante König Friedrichs VII., nach Kopenhagen berufen. Sonst schrieben sich Christine und Holk immer liebevolle Briefe während seiner Abwesenheit, diesmal will das nicht gelingen: Erst schwärmt er zu sehr von Brigitte Hansen, der Tochter seiner Zimmerwirtin, später von der Hofdame Ebba Rosenberg. Er verliebt sich in Ebba und leitet überstürzt die Scheidung ein, um sie zu heiraten, was sie dann allerdings ablehnt. Christine stimmt nach zweijähriger Trennung einer Wiedervermählung mit Holk zu, nimmt sich dann aber wenige Monate nach der erneuten Hochzeit das Leben. 

Zu Beginn des Romans wird im Hause Holk das Lied Der Kirchhof nach einem Gedicht von Wilhelm Friedrich Waiblinger vorgetragen. Die zur Melancholie neigende Christine nimmt im Anschluss das Notenblatt vom Flügel und geht wortlos aus dem Zimmer. Erst zwei Kapitel später erfährt man genaueres über den Inhalt des Textes; Christine hatte ihn sich abgeschrieben und lässt sich nun von ihrer Freundin Julie von Dobschütz die erste Strophe noch einmal vorlesen: 

Die Ruh' ist wohl das Beste
Von allem Glück der Welt, 
Was bleibt vom Erdenfeste,
Was bleibt uns unvergällt?
Die Rose welkt in Schauern,
Die uns der Frühling giebt,
Wer haßt ist zu bedauern
Und mehr noch fast wer liebt.
3

Die dritte und vierte Zeile gibt Fontane verändert wieder; bei Waiblinger lauten sie: 

Mit jedem Wiegenfeste 
wird neue Lust vergällt.
4

Waiblingers Verse legen nahe, dass man mit jedem Jahr mehr die Lust am Leben verliert. Fontanes Umdichtung hingegen, dass man sich aufgrund der Vergänglichkeit des Lebens bewusst machen soll, was in ihm wichtig ist und Bestand hat.5 Denn die nur momentane, flüchtige Lust des Augenblicksmenschen (als welcher Holk bezeichnet wird)6 wird später meist bereut, wird ihm vergällt durch die Konsequenzen, die sie mit sich bringt, sei es im Diesseits oder Jenseits, wohingegen das Glück, das Christine in einer strengen, christlichen Lebensführung zu finden hofft, zwar weniger aufregend ist, aber dafür auch keine Reue nach sich zieht. Diese unterschiedlichen Lebensauffassungen – diesseitig orientierte Lust des Augenblicks einerseits und andererseits eine „richtige“ Lebensführung in Hinblick auf die Ewigkeit – sind immer wieder der Grund für die Auseinandersetzungen zwischen Holk und Christine und finden symbolischen Ausdruck in den Bauprojekten, die vor der Darbietung des Liedes besprochen worden sind: Christine möchte die Gruft sanieren lassen, Holk einen neuen Kuhstall mit Marmortrögen bauen. Auch in der Affäre mit Ebba gibt sich Holk der Lust des Augenblicks hin – doch ist er weniger Augenblicksmensch als er gern wäre und weniger als sie es ist. Er möchte die Affäre in die Beständigkeit einer Ehe überführen, was Ebba scharf von sich weist: 

[»]In der Liebe regiert der Augenblick, und man durchlebt ihn und freut sich seiner, aber wer den Augenblick verewigen oder gar Rechte daraus herleiten will, Rechte, die, wenn anerkannt, alle besseren, alle wirklichen Rechte, mit einem Wort die eigentlichen Legitimitäten auf den Kopf stellen würden, wer das thut und im selben Augenblicke, wo sein Partner klug genug ist, sich zu besinnen, feierlich auf seinem Scheine besteht, als ob es ein Trauschein wäre, der ist kein Held der Liebe, der ist bloß ihr Don Quixote.«

Fontane GBA I,13, S. 266

Holks Charakter steckt zwischen Augenblick und Ewigkeit fest, und so bekommt er weder das eine noch das andere. Nachdem das erhoffte Glück mit Ebba ausbleibt, wird ihm langsam bewusst, was er an seiner beständigen Christine verloren hat, doch auch dieses Glück ist unwiederbringlich dahin. 

Es sind jedoch gar nicht diese durch Fontane geänderten Verse, die Christine und Julie an Waiblingers Der Kirchhof besprechen. Ihre Aufmerksamkeit gilt den beiden letzten in Verbindung mit den beiden ersten: 

Die Gräfin lies von ihrer Arbeit ab, und eine Thräne fiel auf ihre Hand. Dann sagte sie: »Eine wunderbare Strophe. Und ich weiß nicht, was schöner ist, die zwei Zeilen, womit sie beginnt oder die zwei Zeilen womit sie schließt.«
»Ich glaube, sie gehören zusammen,« sagte die Freundin, »und jedes Zeilenpaar wird schöner durch das Andere. ›Wer haßt ist zu bedauern, Und mehr noch fast wer liebt.‹ Ja, Christine, es ist so. Aber gerade weil es so wahr ist…« 

»Ist das Andere, womit die Strophe beginnt, noch wahrer: Die Ruh’ ist wohl das Beste.«

Fontane GBA I,13, S. 54.

Erst ganz am Ende des Romans, als Christine schon tot ist, erfährt der Leser durch einen Brief der Dobschütz an Schwarzkoppen, dass Christine die letzte Zeile der ersten Strophe in ihrer Abschrift unterstrichen hatte. Julie zitiert erst noch einmal die ganze Strophe in der Fassung Fontanes und fügt dann hinzu: 

Die letzte Zeile war leis und kaum sichtbar unterstrichen. Eine ganze Geschichte lag in diesem verschämten Strichelchen.

Fontane GBA I,13, S. 295.

Das Strichelchen erzählt, wie Christine darunter leidet, dass sich ihre Ehe verschlechtert, gerade weil sie ihren Mann liebt. Holk ist zu bedauern, weil seine Liebe sich in Abneigung wandelt, aber Christine noch mehr – er hat zwar etwas verloren, dass er einmal geliebt hat, sie aber hat etwas verloren, dass sie immer noch liebt, weshalb sie den Verlust schmerzlich empfindet. Das Strichelchen erzählt weiter von ihrer Unfähigkeit, dies klar zu kommunizieren: „leis und kaum sichtbar“ ist die Zeile unterstrichen. Leise und kaum sichtbar zeigt sie auch ihre Gefühle für Holk. Er nimmt sie nicht wahr und fühlt sich von ihr vertrieben. Das zeigt sich unter anderem an ihrem Briefwechsel. Holk freut sich, als ihre Antwort auf seinen ersten Brief in Kopenhagen eintrifft, wird aber enttäuscht: 

Holk freute sich, weil ihm aufrichtig daran lag, all den unliebsamen Betrachtungen, wie sie diese Weiber, Ebba mit eingerechnet, in ihm angeregt hatten, entrissen zu werden. Und dazu war nichts geeigneter als ein Brief von Christine. Der kam aus einem zuverlässigen Herzen, und er athmete auf, als er das Couvert geöffnet und den Brief herausgenommen hatte. Aber er ging einer Täuschung entgegen, der Brief war von einer solchen Nüchternheit, daß er nur im Stande war, ein Mißbehagen an die Stelle des anderen zu setzen.

Fontane GBA I,13, S. 149.

Nach der Lektüre des Briefes resümiert er: „Was soll das? Ich erwarte Zärtlichkeiten und finde Sticheleien.“ [Fontane GBA I,13, S. 151] Holk ist offensichtlich unfähig zu erkennen, dass Christine zuerst enttäuscht wurde: Auch sie erwartete Zärtlichkeiten in seinem Brief zu finden, und fand stattdessen Ausführungen über die schöne Capitänin Brigitte Hansen und die kluge, espritvolle Ebba Rosenberg. Die Sticheleien, die Christine erwidert, sind lediglich Zeichen ihrer Eifersucht. Sie sind somit indirekter Ausdruck ihrer zärtlichen7 Liebe für Holk. Manchmal erreicht ihn eine Ahnung dieser Liebe, aber da die Zeichen so flüchtig sind, wirken sie nur kurz; so nach der Lektüre eines späteren Briefes von Christine: 

Holk fühlte sich, als er gelesen, einer gewissen Rührseligkeit hingegeben. Es war viel Liebes in dem Briefe, daß er alte Zeiten und altes Glück wieder heraufsteigen fühlte. Sie war doch die Beste. Was bedeutete daneben die schöne Brigitte? ja, was bedeutete daneben selbst Ebba? Ebba war eine Rakete, die man, so lange sie stieg, mit einem staunenden »ah« begleitete, dann aber war’s wieder vorbei, schließlich doch alles nur Feuerwerk, Alles künstlich; Christine dagegen war wie das einfache Licht des Tages. Und diesem Gefühle hingegeben, überflog er den Brief noch einmal. Aber da schwand es wieder hin, und was er heraushörte, war nur noch, oder doch sehr vorwiegend, der Ton der Rechthaberei.

Fontane GBA I,13, S. 159f.

Holk ist ein schwacher Charakter, sehr anfällig für Beeinflussung von außen; er ist darauf angewiesen, von außen gesagt zu bekommen, was er fühlt und denkt, ohne dass er sich dessen bewusst wäre. Christines Liebesbezeugungen sind als Reiz zu leise und zart, zu angedeutet, um neben den dick aufgetragenen, auf Effekt berechneten Avancen Ebbas zu bestehen, auch wenn er, wie im obigen Zitat, mitunter erkennt, dass die einen echt, die anderen künstlich sind. Wie schwer es Christine fällt, ihrer zärtlichen Liebe für Holk Ausdruck zu verleihen, zeigt sich besonders eindrücklich in der nur zart unterstrichenen Gedichtzeile: Die zurückhaltende Form des Ausdrucks ist kein Maß für die Tiefe des Gefühls. 

Alles andere als zart sind die Striche, die Holks spätere Geliebte Ebba Rosenberg anbringt. Die Prinzessin ruft die Kammerherren Holk und Pentz zu sich, um Ihnen eine „Zeitungsmalice“ [Fontane GBA I,13, S. 138] zu zeigen, über die sie sich empört: 

[»]Doch ich will Sie soweit nicht bedrohen und verurtheile Sie nur, den Artikel zu lesen, hier den; Ebba hat jede Zeile rot unterstrichen, sie liebt dergleichen, und dann mögen sie sich wundern, wie weit wir in Dänemark mit unserem Regiment der Gasse bereits gekommen sind.[«]

Fontane GBA I,13, S. 139.

Ebba unterstreicht nicht „leis und kaum sichtbar“, auch nicht nur eine sorgsam ausgewählte Stelle, sondern sie unterstreicht alles, jede Zeile, in der aufdringlichen Signalfarbe rot. Es ist nicht ganz eindeutig, worauf die Bemerkung der Prinzessin, Ebba liebe dergleichen, sich bezieht: auf das Unterstreichen und dessen Form (jede Zeile, rot) oder auf den Inhalt des Artikels. Pentz liest ihn anschließend vor: 

»Erbprinzlich Ferdinand’sche Wechsel zu verkaufen!« […] »Verschiedene vom Prinzen Ferdinand, Königliche Hoheit, und zwar unter dem Zusatze: ›bei meiner königlichen Ehre‹ ausgestellte Wechsel, indossirt von seinem Kammerassessor Plöther, sind zu verkaufen, und zwar für den Werth, den eventuelle Liebhaber, beziehungsweise Sammel- und Curiositätenamateurs, Papieren von solcher Bedeutung beimessen wollen, doch nicht unter fünfzig Procent. Man beliebe sich an das Comptoir Kokkegarde 143 zu wenden …«

Fontane GBA I,13, S. 140.

Nach Kenntnis des Inhalts zeigt sich, dass Ebbas Unterstreichungen nicht nur formal ganz anderen Charakters sind als die Christines. Christines zeugen von Selbstreflexion; sie erkennt sich in den Zeilen Waiblingers wieder und sucht durch die Unterstreichung ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen, wozu Inhalt des Unterstrichenen als auch Duktus des Unterstreichens gleichermaßen beitragen. Ebbas Unterstreichungen hingegen scheinen – inhaltlich – mit ihrer Person kaum etwas zu tun zu haben und zeugen in erster Linie von Schadenfreude, die plakativ zu zeigen sie sich nicht schämt; der Duktus entspricht ihrem leidenschaftlichen, exzessiven Charakter. Ebenso wie ihre Unterstreichungen übertrieben und äußerlich sind, sind es auch ihre Gefühlsbekundungen gegenüber Holk. Obgleich sie nicht viel von ihm hält, wie sich in einem Gespräch mit Pentz [Vgl. Fontane GBA I,13, S. 109f.] und später in einem Gespräch mit der Prinzessin über seinen schwachen Charakter deutlich zeigt [Vgl. Fontane GBA I,13, S. 153-156], und obgleich sie eigentlich nach gesellschaftlich Höherem strebt,8 will sie Holk für sich gewinnen – wohl nur, um zu sehen, ob es gelingt oder, um es mit Holks Worten auszudrücken:

[»]Alles nur, pour passer le temps, Alles nur ein Triumph Ihrer Eitelkeit.[«]

Fontane GBA I,13, S. 268.

Holk trifft es unvorbereitet, dass er sich sowohl in Christine als auch in Ebba getäuscht hat, obwohl er verschiedentlich darauf hingewiesen wurde, dass er die Frauen nicht verstehe.9 Er kann nicht zwischen den Zeilen lesen, wo sich die Unterstreichungen finden, die ihm Aufschluss geben könnten über die Gefühle seiner Frauen.

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1 Vgl. Büsch, Otto: Handbuch der preußischen Geschichte. Band II. Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Preußischen Geschichte, Berlin (de Gruyter) 1992, S. 333ff. 

2 Eine Prinzessin mit Namen Marie Eleonore gab es im Haus Oldenburg, das seit 1448 die Könige von Dänemark stellte, nicht. Christine Hehle zeigt in ihrem Kommentar zu Unwiederbringlichin der Großen Brandenburger Ausgabe auf, dass Fontane die Prinzessin Luise Charlotte, Tochter des Erbprinzen Frederik und Schwester König Christians VIII. und damit Tante König Friedrichs des VII., als historisches Vorbild diente. Vgl. Hehle, Christine: Anmerkungen. In: Fontane, Theodor; Gotthard Erler [Hrsg.]: Große Brandenburger Ausgabe. Das Erzählerische Werk, editorische Betreuung Christine Hehle, Band 13. Unwiederbringlich. Roman, herausgegeben von Christine Hehle, Berlin (Aufbau-Verlag) 2003, S. 402f. 

3 Fontane, Theodor; Gotthard Erler [Hrsg.]: Große Brandenburger Ausgabe. Das Erzählerische Werk, editori- sche Betreuung Christine Hehle, Band 13. Unwiederbringlich. Roman, herausgegeben von Christine Hehle, Berlin (Aufbau-Verlag) 2003, S. 54. Im Folgenden: Fontane GBA I,13. 

4 Waiblinger, Wilhelm: Blüthen der Muse aus Rom. 1827, Berlin (Reimer) 1829, S. 65. 

5 Diese Interpretation liegt zumindest nahe, wenn man die Verse allein in Hinblick auf den Roman versteht, was, da es sich um eine dem Roman angepasste Umdichtung handelt, nicht nur legitim, sondern geboten erscheint.

6 Seminarleiter Schwarzkoppen bezeichnet ihn gegenüber Christines Bruder Arne als solchen, als die beiden an dem Abend, an dem auch das Lied gesungen wurde, gemeinsam von Holkenäs nach Hause fahren. Schwarzkoppen verwendet den Begriff in Bezug auf die Politik: Holk dient weiterhin dem König (bzw. dessen Tante) als Kammerherr, ohne sich darüber Gedanken zu machen, dass es aufgrund des bevorstehenden Machtwechsels oder doch zumindest Machtkonflikts, klug wäre, auf Distanz zum Königshaus zu gehen. Schwarzkoppen kommentiert das: „»Ich glaube nicht, daß sich Holk mit dieser Frage beschäftigt. Er ist ein Augenblicksmensch und hält zu dem alten Troste: nach uns die Sündfluth.«“ [Hervorhebung im Original, E.W.] Fontane GBA I,13, S. 38.

7 ,Zärtlich‘ verwende ich hier im Zusammenhang mit dem Begriff der ,zärtlichen Liebe‘ der Empfindsamkeit. Christine wurde in einer herrnhutischen Pension erzogen und wird von ihrem Bruder als „nachgeborene Jean Paulsche Figur“ beschrieben (Fontane GBA I,13, S. 36.) Ihre Vorstellung von Liebe ist davon geprägt. Zärtlichkeit war ein Programmwort der Empfindsamkeit; unter ,zärtlicher Liebe‘ verstand man eine beständige, leidenschaftsfreie, tugendhafte Liebe. Franziska Frei Gerlach konstatiert: „Literarische und populärphilosophische Texte [um 1800, E.W.] überbieten sich mit Formulierungen zärtlicher, leidenschaftsfreier, beständiger und rein auf Tugend und Empfindung gegründeter Liebe.“ Frei Gerlach, Franziska: Geschwister. Ein Dispositiv bei Jean Paul und um 1800, Berlin (De Gruyter) 2012, S. 79. Zusätzlich möchte ich durch die Wahl des Begriffes,zärtlich‘, über die semantische auf die geistige Verwandtschaft zum zarten Duktus der Unterstreichungen Christines hinweisen. 

8 Pentz erzählt Holk, Ebba habe als Hofdame am schwedischen Königshof den jüngsten Prinzen beinahe soweit gehabt, dass er sie heiraten wollte, und sei deswegen auf Druck des Königs vom Hof entfernt worden. Pentz spricht darüber nicht wie von einer Liebesaffäre, sondern von Kalkül: „Erst seit diesem Herbst schweigt Alles und treffen, soviel ich weiß keine Briefe mehr ein. Muthmaßlich ist was Anderes im Werke. Ebba hat nämlich immer mehrere Eisen im Feuer.“ Ebd., S. 146f.

9 Von Pentz bezüglich Ebba vgl. ebd., S. 145, von Arne hinsichtlich Christine vgl. ebd., S. 204.

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