Unterstreichungen und Selbsterkenntnis – Fontane: Graf Petöfy

Dieser Beitrag ist der erste einer geplanten Reihe zu Unterstreichungen und Marginalien als Motiv in Romanen von Fontane, Stifter, Musil, …

Cover_Fontane_Graf Petöfy_Brandenburger_Ausgabe

Franziskas schwankendes Selbstbild

In Fontanes Graf Petöfy wird eine junge Schauspielerin durch fremde Unterstreichungen in Rousseaus Confessions dazu angeregt, ihr Selbstbild in Frage zu stellen. Die falschen Vorstellungen, die sie sich von sich macht, ziehen sich unterschwellig durch den ganzen Roman. Graf Petöfy ist ein früher Gesellschaftsroman Theodor Fontanes, der die Spannungen zwischen Katholizismus und Protestantismus sowie zwischen Ungarn und Österreichern einerseits und Österreichern und Preußen andererseits anhand der Ehe zwischen dem (österreich-)ungarischen, katholischen alten Grafen Petöfy und der preußischen, protestantischen jungen Schauspielerin Franziska darstellt. Dabei sind für den areligiösen Grafen die Spannungen zwischen dem Magyarischen und dem Österreichischen wichtiger, wohingegen seine Schwester mehr die Differenzen zwischen dem Katholischen und dem Protestantischen beschäftigen. Franziska erscheint hierin, wie viele Frauenfiguren Fontanes, zunächst pragmatisch. Sie möchte, trotz gelegentlicher Neigung zu einzelnen Aspekten des Katholischen, protestantisch bleiben. Die Frage der Nationalität scheint ihr weniger wichtig, weshalb sie sich der Meinung ihres Mannes anpassen möchte:

[»]Von Überzeugungen, so viel bleibt, soll man nicht lassen, aber wo sie fehlen und fehlen dürfen, da soll man sich den Überzeugungen anderer anbequemen.[«]1

Dabei hält sie ihren Charakter für typisch norddeutsch: „[»]Ich bilde mir wenigstens ein, überlegend und beinahe berechnend zu sein, eine nüchterne norddeutsche Natur.[«]“2 Auch der sehr große Altersunterschied zwischen Franziska und dem Grafen – er ist schätzungsweise um die Siebzig, sie Mitte Zwanzig – lässt die Ehe bedenklich erscheinen. Der Gegensatz von Aristokratie und Bürgertum scheint daneben von geringer Bedeutung, lediglich die Damen in der ungarischen Nachbarschaft stören sich daran,3 ansonsten wird der Standesunterschied im Roman nicht verhandelt.

Es sind die erwähnten Spannungen zwischen Katholizismus, Protestantismus, Ungarn, Österreich und Preußen, die Franziska ihre Identität reflektieren lassen, besonders als das Ehepaar nach der Hochzeit von Wien auf das ländliche Schloss des Grafen in Ungarn fährt. Wie oben bereits erwähnt, hält Franziska sich für nüchtern und überlegend, zugleich ist sie aber auch abergläubisch, sowohl ihrer eigenen Aussage nach4 als auch nach ihrem Verhalten zu urteilen5. Andererseits zeigt sich immer wieder, dass sie in ihrem Selbstbild schwankend und unsicher ist. So verwendet sie einschränkende6 oder zurücknehmende Formulierungen. Auch Hannah, Franziskas Vertraute seit Kindertagen und tatsächlich eine so norddeutsch nüchterne Natur, wie Franziska zu sein vorgibt, ist von der Selbsteinschätzung ihrer Freundin keineswegs überzeugt.

Die Ehe mit Petöfy ist eine Vernunftentscheidung, in die Franziska sich mehr oder weniger erfolgreich hineinzureden versucht; es ist keine tief gefühlte Überzeugung, und Franziska glaubt, dass gerade das ihrer Natur entspräche. Von Hannah auf diese Unsicherheit gesprochen leugnet sie nicht, redet sich jedoch damit heraus, dass niemand sich seiner sicher sei.7 Sie behauptet auch, keine großen Passionen zu haben oder zu wollen. Hannah durchschaut Franziskas Verhalten vielleicht besser als sie selbst, wenn sie sagt: „»Du musst Dich nicht so hineinreden, Franziska.[«]“8

Franziskas Unsicherheit zeigt sich auch darin, dass sie manche ihrer „Entschlüsse“, wie sie sein möchte, ändert, sobald die leiseste Kritik daran geäußert wird. Sie schwankt ständig zwischen ihren „Entschlüssen“, dem was sie sich zu fühlen vorgenommen hat, und dem was sie tatsächlich empfindet, aber nicht mit ihrem ohnehin labilen Selbstbild vereinbaren kann.

Die Krise als Wendepunkt

Franziskas Blick in Rousseaus Confessions – sie liest sie nicht, sondern blättert sie nur durch – liegt genau zwischen ihrem Brief und dem Besuch der Gräfin. Lange Regenwochen und eine gleichzeitige Krankheit Hannahs und Petöfys gehen unmittelbar voraus. In mehrfacher Hinsicht kann dieses Kapitel als Krise im medizinischen Sinne angesehen werden, also als Wendepunkt an welchem sich entscheidet, ob sich das Geschehen zum Guten oder Schlechten wendet. Hannah und Petöfy werden zwar gesund, aber der „Gesundheitszustand“ der Ehe verschlechtert sich.

Zunächst einmal hört der Regen auf. Wasser in verschiedenen Erscheinungsformen bedeutet in Graf Petöfy wiederholt eine lebensbedrohliche Gefahr9: So erzählt zum Beispiel Franziska von einer Situation in ihrer Kindheit, als ihre Heimatstadt vom Meer bedroht war,10 und bei einem Fährunglück auf dem See, an dem Schloß Arpa liegt, kommen elf Passagiere ums Leben.11 Petra Kabus schließt daraus in ihrem Kommentar zu Graf Petöfy, dass auch der Regen hier eine Gefahr bedeutet, die jedoch nicht das Leben, sondern die Ehe bedroht, weil das ohnehin in der Sommerresidenz in Ungarn stets latente Problem der Langeweile durch den Regen noch erheblich gesteigert wird.12 Zwar nehmen sowohl Regen als auch Krankheit an dieser Stelle ein Ende, was eine Wendung zum Besseren zu verheißen scheint; aber am nächsten Tag schon kommt die Nachricht von der Gräfin, dass sie, sobald das Wetter besser sei, mit ihrem und Petöfys Neffen, dem jungen Grafen Egon Asperg zu Besuch kommen wolle. Das bedeutet einerseits eine Minderung der Langeweile, andererseits eine neue, noch größere Bedrohung für die Ehe, diesmal durch den Neffen Egon, der Franziska schon zu Beginn der Erzählung gefallen hatte.

Auch diese Bedrohung kommt wieder über das Wasser, denn Tante und Neffe reisen mit dem Dampfer an. Das Wasser bringt Egon zu Franziska und es bringt sie später einander noch näher: Als sie auf der Suche nach einem verschollenen Kind des Dieners Toldy zusammen ausgeritten waren, verpassen sie den Dampfer, der sie zu Schloß Arpa zurückbringen soll; weil es schon Nacht wird und Franziska schnell nach Hause will, nehmen sie ein kleines Boot, das in einen gefährlichen Strudel gerät. Zwar können die Fährleute das Boot unter Mühen wieder aus dem Strudel heraus manövrieren und eine Insel ansteuern, doch die gemeinsam durchlebte Gefahr stellt Intimität zwischen Franziska und Egon her.13

Franziskas Griff zu den Confessions liegt also genau zwischen der überwundenen Bedrohung durch Langeweile und der bevorstehenden durch Egon. Beide rütteln an ihrem Selbstbild: Während der Regenzeit, als Hannah und Petöfy krank zu Bett liegen, redet sich Franziska ein, dass ihr diese Krankheiten sehr zupass kämen, da sie sich statt mit Promenaden und Billard, endlich mit etwas Vernünftigem, mit Krankenpflege, beschäftigen kann.

[»]Glaube mir, Hannah, ich schwärme geradezu für Barmherzige-Schwesternschaft oder, wenn Dir das zu katholisch klingt, für Diakonissenthum; wenigstens hier.[«]14

Die Epiphrase „wenigstens hier“ zeigt an, dass ihr „Diakonissenthum“ kein grundsätzlicher Zug ihres Wesens ist, sondern eine aus der Not der Einsamkeit und Langeweile entstandene Haltung, von der sie zwar möchte, dass sie ihr wirklich gefällt, von der sie aber ahnt, dass sie sie in Wien nicht würde aufrecht erhalten können. Die rhetorische Form der Epiphrase betont die inhaltliche Einschränkung und lässt sie als die zum Rest in Kontrast stehende wahre Aussage erscheinen; eine Epiphrase hat immer etwas Entlarvendes. Auch Hannah traut Franziskas Selbsteinschätzung nicht:

[»]Ich hab es nicht gern, wenn Du so sprichst, Franziska. Bedenke doch, ich kenne Dich von Klein auf und weiß nur zu gut, daß Dir ganz anders um’s Herz ist. Es geht etwas in Dir vor und Du willst es nur nicht aufkommen lassen.«15

Das Sentimentalische bei Schiller

Was Franziska nicht aufkommen lassen will, ist das Gefühlvolle, das sie sich selbst abspricht.16 Ihr Rollenfach auf dem Theater war das Naive; gefragt, ob es vielleicht auch ihre Naturanlage wäre, antwortet sie bedauernd: „»Das ist es leider nicht.[«]“17 Ihre öffentliche Karriere ist beendet, stattdessen gibt sie seit ihrer Hochzeit eine „Privatvorstellung“18 für den Grafen – als „Gräfin“ fällt sie somit jetzt ins Rollenfach der Sentimentalen. Gleichzeitig gibt sie sich aber im Schiller’schen Sinne sentimentalisch: sie bedauert, dass das Naive nicht ihre Naturanlage ist, und hält ihre Entscheidungen für vernunft- und nicht emotionsgeleitet. Dennoch sehnt sie sich nach Einfachheit und Natürlichkeit, weshalb sie sich so zu der Familie des Dieners Toldy hingezogen fühlt. In Schillers Abhandlung Über naive und sentimentalische Dichtung heißt es: „Der Dichter, sagte ich, ist entweder Natur, oder er wird sie suchen.“19 Diese Suche führt aber nicht einfach zurück zur Natur:

Ist der Mensch in den Stand der Kultur getreten, und hat die Kunst ihre Hand an ihn gelegt, so ist jene sinnliche Harmonie in ihm aufgehoben, und er kann nur noch als moralische Einheit, d. h. als nach Einheit strebend, sich äußern.20

Hier wird deutlich, dass die in der Abhandlung aufgestellten Thesen nicht allein poetologische Überlegungen für Dichter sind, sondern moralische für alle Menschen. Dies wird auch explizit ausgesprochen, wenn Schiller die Bindung der sentimentalischen Dichter an die Idee weiter fasst:

Dieser Weg, den die neueren Dichter gehen, ist übrigens derselbe, den der Mensch überhaupt sowohl im Einzelnen als auch im Ganzen einschlagen muß. Die Natur macht ihn mit sich Eins, die Kunst trennt und entzweyet ihn, durch das Ideal kehrt er zur Einheit zurück.21

Franziska befindet sich die meiste Zeit des Romans auf der zweiten Stufe – sie ist „entzweyet“, uneins mit sich selbst. Offenbar wird dieser Zustand für sie ihn dem Moment, in dem sie die Unterstreichungen in Rousseaus Confessions betrachtet.

Das Bücherbord: Rousseau, Werther, Canterbury Tales

Franziska hatte die Bücher auf dem Bord in einem ihrer Zimmer auf Schloß Arpa gleich zu Beginn ihres Aufenthaltes in Ungarn betrachtet:

Es waren deutsche, französische, namentlich aber englische Bücher in buntester Reihenfolge. Werther’s Leiden und Thomas a Kempis‘ Nachfolge Christi standen friedlich nebeneinander; dann kamen die Canterbury Tales in einer illustrirten Prachtausgabe, zuletzt aber Rousseau, mehrere Bände. Nichts war da, was auf einen bestimmten Geschmack hingedeutet hätte, nur auf jene literarische gebildete Theilnahme, wie sie während der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts in der Mode war.22

Es scheint sich bei dem abschließenden Urteil – kein bestimmter Geschmack, nur modische, literarisch gebildete Teilnahme – um ein Urteil Franziskas, nicht des Erzählers, zu handeln, zumal die Beschreibung eingeleitet wird mit den Worten: „Dann aber nahm sie neugierig einige Bände. »Was mag man nur früher hier gelesen haben?«“ Auch ist es kein stimmiges Urteil, denn es lassen sich doch Beziehungen zwischen den Werken erkennen: Rousseaus Julie ou la nouvelle Héloïse ist ein Prätext zu Goethes Werther, in Chausers Canterbury Tales geht es um die Darstellung verschiedener Aspekte der menschlichen Natur, wie es in Rousseaus Confessions um die Darstellung der Aspekte der Natur eines Menschen geht, und alle genannten Bücher behandeln Fragen der Religion und Konfession. Julie ou la nouvelle Héloïse, das allerdings nicht explizit genannt wird, behandelt außerdem eine als Mesalliance betrachtete Liebesehe; die Mesalliance (zwischen Werther und Fräulein von B.) ist auch Thema in Goethes Briefroman.

Vor allem aber haben die genannten Werke alle einen mehr oder weniger starken Bezug zu Franziskas Situation, zu ihren Zweifeln bezüglich ihrer menschlichen Natur, ihrer Religiosität, ihrer Ehe. Zu dem Zeitpunkt, als sie die Buchrücken auf dem Bücherbord zum ersten Mal betrachtet, waren diese Zweifel jedoch noch nicht so drängend, wie später, als sie tatsächlich einen Blick in die Confessions wirft, weshalb die Reflexion erst dann einsetzt.

Rousseaus Confessions und Friedrich Rückert

Franziska nimmt an dem Abend, als die größte Langeweile sowie Hannahs und Petöfys Krankheit am Wendepunkt stehen, Rousseaus Confessions zur Hand, in welchem – wie sie an- nimmt – die Mutter des Grafen einige Anstreichungen gemacht hat:

Es war noch nicht spät, und Franziska nahm auf gut Glück ein Buch vom Bücherbord. Es war ein Band von Rousseau, die ‚Confessions‘, und sie sah im Durchblättern, daß wenigstens auf den ersten fünfzig Seiten viele dünne Bleistiftstrichelchen an den Rand gemacht worden waren. Die Leserin indeß, sehr wahrscheinlich die Mutter des Grafen, schien sich im Weiterlesen immer ablehnender gegen den Autor verhalten zu haben, denn der Strichelchen, die ganz unzweifelhaft Zustimmung ausdrücken sollten, wurden immer weniger und der Fragezeichen immer mehr.23

Dem Leser wird nun nichts Genaueres mitgeteilt über die einzelnen Anstreichungen, was den Raum für Spekulationen öffnet, in welchem man sich mit Vorsicht bewegen sollte. Selbst wenn man sicher herausfinden könnte, auf welche Ausgabe sich die Angabe der „ersten fünfzig Seiten“ bezieht, wüsste man immer noch nicht zu sagen, welche Stellen angestrichen wurden, zumal die unterstreichende Person nicht bekannt ist. Franziskas Annahme, es handle sich um die Mutter des Grafen, ist eine bloße Vermutung. Franziska hatte einige Kapitel zuvor gemutmaßt, die Bücher seien in der zweiten Hälfte des vorigen, also des 18. Jahrhunderts gelesen worden; andererseits findet sich in der Mitte des Buches ein Blatt, das auf einen späteren Zeitpunkt hindeutet:

In der Mitte des Buches aber lag ein weißes goldgerändertes Blatt mit einem Spruch darauf und dieser Spruch selbst lautete: »Vor jedem steht ein Bild deß, was er werden soll. So lang er das nicht ist, ist nicht sein Friede voll.« [Hervorhebung im Original, E.W.]24

Es handelt sich hierbei um zwei Verse aus dem Gedicht Angereihte Perlen von Friedrich Rückert.25 Der Erstdruck der Sammlung erschien 1843 unter dem Titel Bausteine zu einem Pantheon in Frankfurt a. M. bei Sauerländer. Der Roman Graf Petöfy spielt 187426, der Graf ist zu diesem Zeitpunkt um die 70 Jahre alt, die Mutter des Grafen wäre nach 1843 schätzungsweise auch etwa 70 Jahre alt gewesen. Das schließt nicht aus, dass sie die Leserin der Confessions ist, die die Unterstreichungen gemacht hat – die Unterstreichungen müssen nicht einmal zur selben Zeit und von der Person gemacht worden sein, zu der und von der das Rückertblatt eingelegt wurde. Und doch – da wir es hier nicht mit den Zufällen der Realität, sondern der Konstruktion eines Kunstwerks zu tun haben – deutet die Erwähnung des Rückertzitats auf einen späteren Lesezeitpunk hin, der es wahrscheinlich oder doch zumindest möglich erscheinen lässt, dass die Unterstreichungen vom Grafen Adam oder einer seiner Schwestern herrühren. Von allen dreien ist bekannt, dass sie bezüglich ihrer Nationalität in einen Loyalitätskonflikt gerieten.27 Doch das trifft womöglich auch auf die Mutter zu, die aus England stammt und durch ihre Heirat nach Ungarn kam. Sie alle mussten sich befragen, welches Bild sie von sich haben und wie sie sich diesem entsprechend verhalten, waren also in einer ähnlichen (wenn auch wohl milderen, da weniger Lebensbereiche umfassenden) Situation wie Franziska.

Ungeachtet wer nun die unterstreichende Person gewesen sein mag, legt der ins Buch eingelegte Spruch nahe, dass sie sich mit ihrer Identität beschäftigt, und aus diesem Grunde die Confessions gelesen hat. Denn Rousseaus Werk ist seiner eigenen Aussage zufolge der Versuch, sich selbst in seiner ganzen Naturwahrheit zu zeigen. Dazu muss er aber zunächst Einsicht in diese Wahrheit haben.

Die Confessiones von Augustinus

Der Titel Confessions ist eine Anspielung auf die Confessiones des Augustinus von Hippo. Der Begriff ,confessio‘ beinhaltet bei Augustinus einerseits die Bedeutung ,Schuldbekenntnis‘, wie schon in der vor- und außerchristlichen römischen Antike im Sinne eines (meist erzwungenen) Schuldeingeständnisses vor Gericht.28 Andererseits beinhaltet es die Bedeutung des Lobpreis Gottes, oder Glaubensbekenntnis, was zu Augustinus’ Zeiten relativ neu war.29 Joseph Ratzinger leitet die Entstehung dieser zweiten Bedeutung von der ersten ab: Die verfolgten Christen jener Zeit hätten vor Gericht ihre ,Schuld‘, Christ zu sein, bekennen müssen, hätten dies aber nicht als erzwungenes Schuldeingeständnis, sondern als freiwilliges Glaubensbekenntnis verstanden.30 Diese Bedeutungen sind auch in der französischen Übersetzung ,confessions‘ wie in der deutschen Übersetzung ,Bekenntnisse‘ enthalten. Nach der Reformation kommt noch die Bedeutung der Konfession als Glaubensrichtung hinzu. Dies ist für Rousseaus Text von Bedeutung, da er unter anderem seine Konfessionswechsel (vom Calvinismus zum Katholizismus und wieder zurück) behandelt, also eine ähnliche Problematik, wie die, mit welcher Franziska sich beschäftigt.

Augustinus beschreibt in den Confessiones sein Leben als Weg zum Glauben; er beschreibt dabei sowohl seine guten Eigenschaften als auch seine schlechten Angewohnheiten und Taten. Wichtig ist hierbei, dass er seine guten Eigenschaften Gott anrechnet, seine schlechten Taten jedoch sich selbst. Auch Rousseau beschreibt sowohl Gutes als auch Schlechtes an sich selbst, allerdings differenziert er beides nicht, sondern betrachtet es als Gesamtheit seiner ,Naturwahrheit‘:

Je veux montrer à mes semblables un homme dans tout la vérité de la nature; et cet homme, ce sera moi. […] Je dirai hautemont: Voilà ce que j’ai fait, ce que j’ai pensé, ce que je fus. J’ai dit le bien et le mal avec la même franchise. Je n’ai rien tu de mauvais, rien ajouté de bon[.]31

Rousseau ging es seiner Selbstaussage nach um eine möglichst wahre und umfassende Darstellung eines Menschen: seiner selbst. Dabei sollte man bedenken, dass diese Aussage Teil einer Selbstinszenierung ist. Cristina Fossaluzza interpretiert die Confessions als radikales Gegenbild zu Darstellungen der edlen Seele der Epoche der Empfindsamkeit; es ginge Rousseau auch darum, ein neues Weltbild darzustellen:

Wenn auch die als unverstellt repräsentierte Natur des Subjektes bei Rousseau in den Mittelpunkt tritt, so will sich der Ich-Erzähler in den Confessions sicher nicht nur der Aufrichtigkeit zuliebe ganz naiv und ehrlich darstellen. Natürlich ist auch diese Selbstentblößung fiktiv und programmatisch zugleich. […] Selbstverständlich können die Confessions als eine Autobiographie betrachtet werden, aber Rousseau geht es nicht nur darum, seine persönliche Geschichte zu beschreiben, sondern vielmehr sich selber als Chiffre einer neuen Weltanschauung darzustellen.32

Es geht nicht mehr darum, die idealisierte edle Seele zu zeigen, sondern die kranke Seele, weil dies die realistischere Darstellung ist.33 Dies wirkte auf empfindsame Leser schockierend; sollte die Mutter des Grafen noch eine solche gewesen sein, ließe sich das ab Seite 50 abflauende Interesse hierdurch erklären. Vielleicht erwartete sie auch eine Autobiografie, die mehr der des Augustinus gliche. Rousseau beschreibt seine Selbsterkenntnis nicht, wie jener, um sich aufgrund dieser Erkenntnis zu läutern, sondern um der Darstellung der „Naturwahrheit“ willen. Auch das ins Buch eingeschobene Rückertzitat – „Vor jedem steht ein Bild deß, was er werden soll. So lang er das nicht ist, ist nicht sein Friede voll.“ – weißt, sofern man es als Motto versteht, unter dem die Lektüre der Confessions vorgenommen wurde, darauf hin, dass die Leserin der Ansicht ist, der Mensch solle erkennen, wer er eigentlich sei, sich dann aber auch bemühen, dieses eigentliche Selbst zu werden. Die Confessions sind zwar Bekenntnisse, aber eben keine Beichte, denn Rousseau steht zwar zu seiner wahren Natur, bereut diese aber nicht, auch nicht teilweise, und hat demnach auch nicht vor, an ihr etwas zu ändern.

Die Unterstreichungen

Die Unterstreichungen markieren das Verhältnis des Unterstreichenden zum Text. Kant zufolge sieht niemand die Welt wie sie an sich ist, sondern stets nur wie sie für den Betrachter ist. Ebenso verhält es sich mit dem Text. Die Markierungen geben Zeugnis von diesem Textverständnis, und sind doch auch wieder nur Zeichen, die ein späterer Betrachter deutet und nur so verstehen kann, wie sie für ihn sind, denn sie sind nicht an sich.

Im Fall der Confessions ist das Verhältnis der Unterstreichenden zum Text noch intensiviert: Es ist nicht nur der Bezug „Wie verhalte ich mich zum Text?“, sondern, weil der Text die Frage nach dem Selbstverständnis behandelt, „Wie verhalte ich mich zu mir selbst, indem ich mich zum Text verhalte?“

Franziska reagiert auf die Unterstreichungen und besonders auf das Zitat mit ihrer üblichen Unentschlossenheit, die ihr aber diesmal bewusst wird:

»Wie schlicht,« sagte sie, »wie nüchtern fast! Und doch bewegt es mich. Und warum? Ist es, weil ich das ›Bild dessen, was ich werden soll,‹ ahnungsvoll bereits vor mir sehe, oder ist es umgekehrt, weil ich es nicht sehe? Sonderbar.«34

Sie weiß zwar immer noch nicht, wer sie ist und werden soll; aber sie erkennt, dass sie es vielleicht nicht weiß. Es ist noch keine Selbsterkenntnis, es ist aber der Wendepunkt. Ihre Illusion von der nüchtern norddeutschen Natur ohne große Passionen bricht auf. Dies zeigt sich bei einer späteren Gelegenheit sehr deutlich. Dem Diener Toldy wird ein Kind geraubt; alle, so auch Franziska und Egon, reiten zur Suche nach ihm aus. Die beiden sind gerade an der anderen Seite des Sees, als sie erfahren, dass man das Kind gefunden hat. Franziska zeigt sich gerührt, als sie sich vorstellt, mit welcher Zärtlichkeit das wiedergefundene Kind jetzt wohl von seinen Anverwandten aufgenommen wird und tadelt Egon für seine Gleichgültigkeit. Er wundert sich über ihre Sentimentalität:

»Ich begreife Sie nicht, Franziska. Welche Vorwürfe! Sie werden sich doch, Pardon, nicht auf das Gefühlvolle hin inszenieren wollen! Gerade Sie. Das ist ganz unmöglich. Ich möchte nicht gern über diesen Punkt eine Meinungsverschiedenheit oder auch nur Unklarheit zwischen uns herrschen sehen, und so lassen Sie mich Ihnen denn sagen, daß es in meinen Augen nichts Trivialeres gibt als Sentimentalitäten. Und darin, denk’ ich, stimmen wir zusammen.[«]35

Egon hat eine gewisse Berechtigung so zu denken; war er doch anwesend, als sie ihren Ausspruch von der nüchtern norddeutschen Natur machte. Als er ihr daher sagt, er kenne sie nicht wieder, entgegnet sie: „»Weil Sie mich nie gekannt haben.[«]“36 Doch wie hätte er sie kennen können? Sie kannte sich selbst nicht. Stattdessen hat sie sich ein Bild von ihrer Natur gemacht und es sich und anderen vorgespielt.37

Die Unterstreichungen, zeigen, dass sie eine Auseinandersetzung mit dem Text und mit sich selbst darstellen, dass man also versuchen könnte, aus den Unterstreichungen Rückschlüsse auf die Persönlichkeit, die Gefühle oder Gedanken der Unterstreichenden zu ziehen. Diesen Schritt geht Franziska aber nicht. Sie reflektiert nicht die Unterstreichungen in Hinblick auf deren Urheberin, sondern wird durch die Unterstreichungen und womöglich noch mehr durch den Spruch auf dem eingelegten Blatt, dazu angeregt, über ihr Verhältnis zu sich selbst nachzudenken.

Das Motiv der Unterstreichungen als Teil einer Poetik des Unausgesprochenen

Franziska schöpft also die vorhandenen Erkenntnismöglichkeiten nicht voll aus. Doch das Motiv der Unterstreichungen ist darüber hinaus eine Anregung für den Leser. Graf Petöfy wurde von den zeitgenössischen Lesern nicht sehr begeistert aufgenommen. Es wurde kritisiert, Franziskas Affäre mit Egon wäre zu unmotiviert, die Charaktere seien blaß, die Schilderung der Langeweile auf Schloß Arpa zu langatmig, andere, „ereignishaftere“ Ereignisse wie die Hochzeit, die Affäre, hingegen gar nicht beschrieben.38 Eine solche Kritik übersieht, dass Fontane nicht durch Erzählerkommentare charakterisiert, sondern allein durch Beschreibung, Handlung und Dialog: Egon etwa bleibt so blaß, weil er eben ein schwacher Charakter ist; die Langweile auf Schloß Arpa wird so langatmig beschrieben, weil sie sich so dem Leser am besten mitteilt, auch sind die „Ereignisse“ für die Beteiligten vielleicht gar nicht von großer Bedeutung, die Hochzeit nicht für Franziska, die Affäre nicht für Egon. Das alles teilt sich dem Leser indirekt mit. Franziskas Affäre mit Egon kommt gar nicht plötzlich und überraschend: Sie ist schon in den ersten Kapiteln in ihn verliebt, lässt das aber nicht zu, vielleicht weil sie spürt, dass er sie nicht ehrlich liebt, aber wohl auch weil sie „keine großen Passionen“ zulassen will. Sie wählt lieber „nüchtern“ die vermeintlich sichere Partie. Dass sie sich dabei falsche Vorstellungen von sich macht, schwankend und unsicher ist, wird nicht in Erzählerkommentaren direkt ausgesprochen, sondern es werden Hinweise gegeben in Dialogen und Beschreibungen. Zu diesen leisen Hinweisen, denen der Leser folgen soll, gehören die Unterstreichungen und das eingelegte Rückertzitat in Rousseaus Confessions, das im weiteren Sinne als eine Marginalie aufgefasst werden kann.

Zu den Vorbemerkungen zur Reihe …

… zum folgenden Beitrag der Reihe.


1 Fontane, Theodor; Gotthard Erler [Hrsg.]: Große Brandenburger Ausgabe. Das Erzählerische Werk, editorische Betreuung Christine Hehle, Band 7. Graf Petöfy. Roman, herausgegeben von Petra Kabus, Berlin (Aufbau-Verlag) 1999, S. 133. Im Folgenden: Fontane GBA I,7.

Zum in diesem Beitrag und den folgenden der Reihe verwendeten System der Anführungszeichen: Aus wörtlicher Rede und Briefen wird mit umgekehrten französischen Anführungszeichen (Chevrons) zitiert, die in eckige Klammern gesetzt sind, wenn die wörtliche Rede oder der Brieftext nicht mit der zitierten Stelle beginnt oder endet. Wenn eine Figur innerhalb ihrer wörtlichen Rede etwas zitiert, wird dieses Zitat mit einfachen Chevrons gekennzeichnet. Bei nicht eingerückten Zitaten im Fließtext stehen sie zusätzlich in deutschen Anführungszeichen. Erzählerrede oder Sekundärliteratur werden im Fließtext mit deutschen Anführungszeichen zitiert, Begriffe durch einfache deutsche Anführungszeichen kenntlich gemacht.

2 Ebd., S. 21.

3 „[A]llerlei Herrenbesuch aus der Nachbarschaft kam, oft mehr, als lieb und bequem war, aber die Damen blieben aus und ließen mit jedem Tag deutlicher erkennen, daß man die Mesalliance betonen wolle.“ Ebd., S. 140.

4 „Und außerdem bin ich abergläubisch.“ Ebd. S. 32.

5 So wehrt sie sich zum Beispiel heftig dagegen, sich die Zukunft voraussagen zu lassen, und sei es im Scherz: „Und weil wir‘s nicht wissen sollen, sollen wir es auch nicht wissen wollen. […] Es gibt der tückischen Mächte genug, und ihre listig lauernde Feindschaft auch noch durch Spiel und Spott herausfordern zu wollen, thut nie gut und ist der Anfang vom Ende.“ Ebd., S. 58.

6 „Ich bilde mir wenigstens ein, […]“, Ebd. S. 21.

7 Ebd. S. 95.

8 Ebd.

9 Vgl. Kabus, Petra: Stoff. Privatvorstellung einer norddeutschen Schauspielerin für einen österreich-ungarischen Grafen. In: Fontane GBA I,7, S. 239.

10 Fontane GBA I,7, S. 78f.

11 Ebd. S. 142.

12 Vgl. Kabus, Petra: Stoff. Privatvorstellung einer norddeutschen Schauspielerin für einen österreich-ungarischen Grafen. In: Fontane GBA I,7, S. 239.

13 Franziska wird auf dem Boot ohnmächtig. Die weibliche Ohnmacht steht in vielen Romanen und Dramen des 18. und des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit Ehebruch: Rousseaus Julie, Kleists Marquise von O., Flauberts Emma Bovary, Fontanes Effi Briest, um nur einige zu nennen. Ob es tatsächlich zum Ehebruch kommt, ob es eine tatsächliche Ohnmacht ist, ist nicht immer eindeutig zu entscheiden, so auch hier.

14 Fontane GBA I,7 S. 147f.

15 Ebd. S. 148.

16 Vgl. ebd. S. 95.

17 Ebd. S. 21.

18 Vgl. Kabus, Petra: Stoff. Privatvorstellung einer norddeutschen Schauspielerin für einen österreich-ungarischen Grafen. In: Fontane GBA I,7, S. 233: „Mit der jungen Schauspielerin Franziska will er sich quasi das Theater ins Haus holen.“

19 Schiller, Friedrich; Blumenthal, Lieselotte [Hrsg.]; Wiese, Benno von [Hrsg.]: Schillers Werke. Nationalausgabe. Zwanzigster Band. Philosophische Schriften. Erster Teil, Weimar (Böhlau) 1962, S. 436.

20 Ebd., S. 437. Anmerkung: „aufgehoben“ ist hier nicht im doppelten Sinne – wie etwa später bei Hegel – gemeint (bewahrt und gleichzeitig überwunden), sondern einfach im Sinne „nicht mehr existent“.

21 Ebd. S. 438.

22 Ebd. S. 107-108.

23 Ebd. S. 158.

24 Ebd.

25 Rückert, Friedrich: Gesammelte Poetische Werke in zwölf Bänden. Siebenter Band, Frankfurt a. M. (Sauerländer) 1868, S. 372.

26 Das lässt sich aus dem im Dritten Kapitel verhandelten Selbstmord Ludwig Karl Wilhelm von Gablenz ableiten. Vgl. Fontane GBA I,7, S. 12.

27 Die beiden Schwestern durch ihre Heirat, wie der Leser durch eine Angestellte des dem Schloß in Wien gegenüberliegenden Konfektionsgeschäfts erfährt: „›Graf Adam und Gräfin Judith und die Gräfin Eveline, die die schönste war und nun todt ist, die waren Geschwister. Und waren alle Drei rabiat ungrisch und die beiden jungen Gräfinen am meisten. […] Als dann aber die Gräfin Judith den Gundolskirchen und die Gräfin Eveline den schönen Asperg heirathete, den Vater von dem jungen Grafen, da war es mit dem Rabiatischen und dem Ungrischen vorbei. ›Nix mehr Magyar.‹ Und wurden gut steyrisch.‹“ Fontane GBA I,7 S. 16. Das dies zumindest für Gräfin Judith ein Problem darstellte, zeigt sich darin, dass sie Franziska rät, nicht ihre Nationalität für eine andere einzutauschen, obgleich oder vielleicht gerade weil sie selbst das so gemacht zu haben scheint. Graf Adam geriet in den Konflikt während des ungarischen Aufstands, als er als Mitglied der österreichischen Armee nicht gegen den Kaiser, aber auch nicht gegen Ungarn kämpfen wollte. Er entzog sich dem Konflikt durch einen Auslandsaufenthalt. Vgl. ebd., S. 132f.

28 Vgl. Ratzinger, Joseph: Originalität und Überlieferung in Augustins Begriff der confessio. In: Revue des études augustiniennes, Jhg. 3 (1957), S. 375-392, hier S. 377f.

29 Die These Hermann Deterings, dass die Confessiones gar kein Werk des Augustinus seien, sondern aus dem Mittelalter, womöglich von Anselm von Canterbury stammten, kann hier nicht diskutiert werden, da sie zu weit ab vom Thema führt und für den Beitrag von geringer Bedeutung ist: sowohl Rousseau als auch Fontane werden die Confessiones für ein Werk des Augustinus gehalten haben.

30 Vgl. Ratzinger, Joseph: Originalität und Überlieferung in Augustins Begriff der confessio. In: Revue des études augustiniennes, Jhg. 3 (1957), S. 375-392, hier S. 380.

31 Rousseau, Jean-Jacques; Gagnebin, Bernard; Raymond, Marcel [Hrsg.], Œuvres complètes I. Les confessions. Autres textes autobiografiques, Paris (Gallimard) 1959, S. 5.

32 Fossaluzza, Cristina: Subjektiver Antisubjektivismus. Carl Philipp Moritz als Diagnostiker seiner Zeit. Inau- guraldissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Philosophie dem Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften der Freien Universität Berlin im Co-tutelle Verfahren mit der Universität Università Ca’ Foscari Venezia Dipartimento Studi Linguistici e Letterari Europei e Postcoloniali 2005, S. 63-64.

33 Vgl. ebd., S. 58. Cristina Fossaluzza schreibt hier zwar über Karl Philipp Moritz‘ Menschendarstellung in Anton Reiser, zeigt dann jedoch auf, dass dieses Menschenbild und seine Darstellung von Rousseau herstammt. Vgl. ebd., S. 62.

34 Fontane GBA I,7, S. 158.

35 Ebd. S. 183f.

36 Ebd. S. 184.

37 Es gibt immer wieder Hinweise, dass Franziska auch ihr Privatleben als Schauspielerin spielt, oder zumindest aus dem Schauspiel nicht ganz herauskommt. Vgl.: „[»]Unser Beruf gibt uns schließlich unseren Ton und unsere Haltung.«“ Ebd., S. 21; „[»]Im Allgemeinen, darin hast Du ja Recht, gehört zu einem Grafen eine Gräfin; wer wollte das bestreiten? Aber wenn es keine Gräfin sein kann, so kommt nach der Gräfin gleich die Schauspielerin, weil sie, Dir darf ich das sagen, der Gräfin am nächsten steht. Denn worauf kommt es in der sogenannten Oberschicht an? Doch immer nur darauf, daß man eine Schleppe tragen und einen Handschuh mit einigem Chik aus- und anziehen kann. Und sieh’, das gerade lernen wir aus dem Grunde. So Vieles im Leben ist ohnehin nur Komödienspiel, und wer dieß Spiel mit all’ seinen großen und kleinen Künsten schon von Metier wegen kennt, der hat einen Pas vor den Anderen voraus und überträgt es leicht von der Bühne her in’s Leben.«“ Ebd., S. 94; „[»]Sie [die Nachbarn in Ungarn, Anm. E.W.] sind auch wirklich nur gekommen, um mich als Gräfin auftreten zu sehen. Und haben nebenher noch das Vergnügen, selbst mitspielen zu dürfen.«“ Ebd., S. 125.

38 Vgl. Kabus, Petra: Wirkung. In: Fontane GBA I,7 S. 250f., 256f.

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5 Gedanken zu “Unterstreichungen und Selbsterkenntnis – Fontane: Graf Petöfy

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