Verschneite Bilderbücher: „Der Bär auf dem Försterball“ und „Yeti Pleki Plek“

Der Winter will hier in Berlin noch nicht richtig in Gang kommen – obwohl die Wolken gestern einen tapferen, aber vergeblichen Versuch gemacht haben, eine Schneedecke herabzurieseln. Als kleines Kind habe ich mir immer so sehr gewünscht, dass es schneit. Einmal habe ich mich mit der Flöte ans Fenster gesetzt und so lange „Leise rieselt der Schnee“ gespielt, bis es angefangen hat zu schneien und dann habe ich noch weiter gespielt, damit es ja nicht aufhört. Dem magischen Denken bin ich längst entwachsen, aber es hat auch etwas Magisches, wenn man mithilfe von Büchern ein Schnee-und-Eis-Gefühl erzeugt, dass einen tröstet, bis es „in echt“ schneit.

Da es so viel schöne Bücher zum Thema Winter, Schnee und Weihnachten gibt, möchte ich sie über mehrer Beiträge verteilen; heute sind erstmal die Bilderbücher dran.

Peter Hacks: Der Bär auf dem Försterball

Der_Bär_auf_dem_Försterball_FotorDer Bär wankt verkleidet und betrunken durch den verschneiten Wald. Die Förster halten ihn für den Oberförster, weil er den dicksten Bart und die tiefste Stimme hat und am meisten trinken kann.

Der Förster sagte mit einer tiefen Bassstimme: „Gute Nacht, Herr Kollege, auch zum Försterball?“

„Brumm“, sagte der Bär, und sein Bass war so tief wie die Schlucht am Weg, in die die Omnibusse fallen.

„Um Vergebung“, sagte der Förster erschrocken, „ich wusste ja nicht, dass Sie der Oberförster sind.“

Auf dem Försterball schlägt der schließlich Bär vor, sie wollten ausgehen, den Bären schießen. Aber den können sie komischerweise nicht so leicht finden…

Es ist eine wahnsinnig lustige Verwechslungskomödie und zugleich ein tiefsinniges Buch über fatale Gruppendynamik, stilistisch hervorragend, mit überraschendem Wortwitz und gutem Rhythmus. Ich möchte eine absolute Empfehlung aussprechen für dieses wunderbare Buch, welches das Schattendasein, das es fristet, ganz und gar nicht verdient hat.

Auf dem Bild oben ist eine Ausgabe mit Illustrationen von Walter Schmögner zu sehen, basierend auf der ersten westdeutschen Ausgabe von 1972. Bei Kein & Aber erschien 2006 eine Ausgabe mit neuen, weniger bunten und – wenn man so will – weniger kindlichen Illustrationen von Peter Gut. Beide Ausgaben sind leider, soweit ich das überblicke, nicht mehr regulär lieferbar, aber antiquarisch über die üblichen Wege gut zu bekommen.

Eva Susso, Benjamin Chaud: Yeti Pleki Plek

Die Brüder Uno und Max gehen nach draußen, Snowboard fahren; Papa wünscht viel Spaß und stopft ihnen noch schnell ein paar Mandarinen in die Tasche. Spaß haben sie auch – solange es bergab geht. Doch man kennt das ja: Wenn man einen Berg erst runtergesaust ist, muss man ihn wieder hochgehen. Max und Uno essen lieber erstmal die Mandarinen und dann glauben sie, sie kämen ums Berghochsteigen herum, indem sie einen anderen Weg nehmen. Natürlich verlaufen sie sich.

Zum Glück werden sie von einem netten Yeti gefunden, der sie in seine Höhle bringt und sie wunderbar umsorgt, mit Wärme, Essen, Schlafgelegenheit und einem Geschenk – einer Holzeule, geschnitzt von Opa Yeti. Zwar spricht er nur die Yeti-Sprache: „Yeti Pleki Plek“, aber sie verstehen sich trotzdem ganz prima. Nach einem kuscheligen Nickerchen bringt der Yeti sie zurück. Der Vater steht am Herd und backt Pfannkuchen und über ihm auf dem Regal steht schon eine von Opa Yeti geschnitzte Eule.

Yeti_Fotor

Die Illustrationen von Benjamin Chaud fangen sehr schön die verschneite, ruhige, gemütliche Atmosphäre ein. Obwohl die Kinder sich im Wald verlaufen und von einem Yeti entführt werden, bleibt alles freundlich und hell. Zwar ist das Original schwedisch und nicht dänisch, aber es verbreitet jede Menge hygge.

Die Geschichte ist getragen von überwältigender Gelassenheit. Zwar jammert Max ein bisschen, als sie sich im Wald verlaufen, aber die Brüder nehmen es doch, wie es kommt, sind offen für alles, haben keine Angst – vor dem Fremden, dem Unschwarscheinlichen, dem angeblich Monströsen. Und sie behalten recht. Eine gute Botschaft.

Yeti Pleki Plek von Eva Susso und Benjamin Chaud, aus dem Schwedischen übersetzt von Karl-Axel Daude, ist 2015 im Bohem Verlag erschienen (ISBN: 978-3-95939-019-4, 14,95€). Miriam Schaps schrieb in ihrer Rezension auf dem Blog Geschichtenwolke, die Yeti-Sprache erinnere sie an Finnisch, was mir (ohne vorzeigbare Finnischkenntnisse) absolut genauso ging.

 

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3 Gedanken zu “Verschneite Bilderbücher: „Der Bär auf dem Försterball“ und „Yeti Pleki Plek“

  1. Durch den erstmalig dieswinterlichen Schneefall am Sonntag fuhr ich im Auto quer durch die Republik – Pech und Glück zugleich! Kurz vor Mitternacht erreichten wir ein tief verschneites Berlin. Leider war der weiße Traum anderntags ausgeträumt! Anrührend, Deine flötenspielende Schneebeschwörung!

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