Liest Du mir was vor?

Am Freitag, dem 17.11.2017 findet wieder der Bundesweite Vorlesetag statt, in Schulen, Kindergärten, Bibliotheken und anderen öffentlichen Orten soll Kindern vorgelesen werden.VLT_Logo_rz

Als ich ein Kind war, wurde mir und meinen Geschwistern viel vorgelesen, auch als wir schon selbst lesen konnten. Insbesondere wenn ich krank war, habe ich meine Mutter auch noch als Jugendliche darum gebeten. Sie hat sehr mitreißend vorgelesen und ich habe es geliebt. Kein Wunder, dass ich es kaum erwarten konnte diese Erfahrung meinen Kindern weiterzugeben. So war mein Ältester gerademal einen Tag alt, als ich ihm zum ersten Mal vorlas: Winnie the Pooh, auf Englisch. Nicht, weil ich wollte, dass er gleich auch noch Englisch lernt, sondern einfach weil ich Lust dazu hatte, es vorzulesen. Von da an gab es kein Halten mehr: Ich habe stundenlang vorgelesen, auch als er noch ganz klein war und er hat sich alles geduldig angehört, nur selten habe ich mich gefragt, ob er auch alles versteht, was ich da lese. Wenn mein Vater uns althochdeutsche Lyrik vorlesen hat, habe ich das auch nicht verstanden und trotzdem schön gefunden. Morgens hat mein Sohn mich mit Buch in der Hand geweckt und abends ist er beim Lesen eingeschlafen. Meinem jüngeren Sohn lese ich heute noch, er ist jetzt elf, jeden Abend vor.

Als Lesepatin weiß ich aber leider, dass nicht allen Kindern zu Hause vorgelesen wird, manchen niemals, vielen zu wenig. Dabei mögen über 90 Prozent aller Kinder das Vorlesen, und es gibt kaum etwas Besseres und Einfacheres, was man für ihre Sprach- und Allgemein- und Herzensbildung tun kann.

Dieses Jahr soll ich in einer 6. Klasse einer Kreuzberger Grundschule lesen, einer sogenannten „schwierigen“ Klasse. Die Lehrerin, mit der ich mich im Vorfeld getroffen habe, hatte allerlei Bedenken: Die Kinder haben keinen so großen Wortschatz, sie können sich nicht gut konzentrieren und so weiter und so fort. Ich war bestürzt. Nicht über die Kinder, sondern darüber, wie die Lehrerin über sie sprach. Solche Bedenken sind nichtig! Wenn man etwas auswählt, das die Kinder interessiert, das am besten auch noch lustig ist, dann hören sie auch zu. Wenn man sie erst in die Geschichte einführt und zwischendurch immer wieder durch Fragen einbezieht, dann können sie sich auch konzentrieren. Wenn sie mal ein Wort nicht verstehen, macht das gar nichts – sie erschließen es aus dem Zusammenhang oder fragen nach. Vielleicht kann man auch noch einen Gegenstand oder Geräuscheffekte oder andere Überraschungsmomente in den Vortrag einbauen. Auf keinen Fall sollte man sich von Vorurteilen entmutigen lassen!

Ich werde nächste Woche in der „schwierigen“ Klasse Yoda ich bin! Alles ich weiß! von

Origami Yoda

Tom Angleberger lesen, einen Episodenroman um einen Haufen Kinder auf der Middleschool und eine Origamifingerpuppe, die eventuell die Macht nutzen kann. Oder auch nicht. Im Prinzip geht es darum, das herauszufinden. Ich werde vorher fragen, was sie über Origami und Star Wars wissen, etwas erklären und zeigen, über die Geschichte sprechen und dann die lustigsten Kapitel vorlesen. Das Buch ist so aufgebaut, dass man problemlos Manches auslassen kann. Dazu habe ich eine Origami-Yoda-Fingerpuppe, die ich hochhalte, jedes Mal, wenn Yoda spricht. Ich habe das schon öfter vorgelesen und es kam immer gut an.

Viel Vorbereitung ist aber meistens gar nicht nötig. Wenn man einfach ein gutes Buch aussucht und ein bisschen Talent zum Vorlesen hat, dann werden die Kinder sich sehr freuen. Es werden auch in letzter Minute immer noch Vorleser gesucht, wer also Lust bekommen hat mitzumachen, kann sich bei Kitas oder Schulen (meist sind hier die Schulbibliotheken zuständig) melden. Man kann auch selbst eine Lesung organisieren und auf der Website des Vorlesetags eintragen. Dort findet man auch Informationen und Tipps rund um Vorleseaktionen.

Vorlesen macht jede Menge Spaß und lohnt sich auf jeden Fall!

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3 Gedanken zu “Liest Du mir was vor?

  1. Auch ich konnte stundenlang zuhören und habe diese Erfahrung dann weitergegeben. An meine kleine Schwester (unerklärlicherweise hat sie vom Sams Albträume bekommen) und an meine Tochter, die jetzt 11 ist und es immernoch genießt, Geschichten vorgelesen zu bekommen. Aber mit altdeutscher Lyrik habe ichs noch nicht versucht. Danke für die Anregung. Und die anderen Anregungen bezüglich des 17.11.

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    1. Altdeutsche Lyrik hätte auch nur Sinn, wenn man persönlich etwas damit verbindet. Mein Vater hatte in seinem Germanistikstudium einen Schwerpunkt auf Alt- und Mittelhochdeutsch, dann aber später nichts mehr damit zu tun. Wenn er uns sowas vorlas oder von irgendwelchen Zwergen in irgendwelchen Sagen erzählte, dann hat ihn das an die schöne Zeit in der Uni erinnert. Weil es ihn so glücklich gemacht hat, hat es uns dann so gut gefallen, nehme ich an.

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