… denn sie wissen nicht, was sie tun?

Gedanken zu frei übersetzten Titeln belletristischer Literatur, angeregt von einem kürzlich von schiefgelesen geposteten Blogbeitrag über Deutsche Cover in fremden Landen.

cover-unubersetzte-titel

Ich bin keine professionelle Übersetzerin. Aber ich habe schon literarische und kunstkritische Texte übersetzt oder Übersetzungen solcher Texte für die Veröffentlichung geprüft. Außerdem habe ich mich in der Uni mehrere Semester theoretisch wie praktisch mit Übersetzungen befasst. Ich weiß also wie schwer Übersetzen ist und habe größten Respekt vor dieser Leistung.

Dennoch wäre es naiv zu glauben, dass es nicht bessere oder schlechtere Übersetzungen gibt. Ein Übersetzungsvergleich zeigt übrigens häufig, dass es nicht die eine perfekte Übersetzung gibt, sondern dass in der einen das eine, in einer anderen etwas anderes besser gelöst ist. Bei der Übersetzung von Buchtiteln kommt noch hinzu, dass der Titel zusammen mit dem Cover und dem Namen oder Pseudonym des Autors einen ersten Eindruck vom Buch vermitteln soll. Bei der Übersetzung des Titel gilt es also stärker als bei der Übersetzung des übrigen Textes abzuwägen zwischen der Loyalität dem Ausgangstitel gegenüber und den Gepflogenheiten des Marktes der Zielsprache. Denn es ist schließlich auch im Interesse des Autors, für seinen Text möglichst viele möglichst passende Leser zu finden.

Ich habe sechs Beispiele zusammengestellt, die verschiedene Aspekte der Problematik verdeutlichen sollen.

Dorota Masłowska: Wojna polsko-ruska pod flagą biało-czerwoną

Ein Ausgangstitel, bei dem sich offenbar kein nicht-polnischer Verlag vorstellen konnte, dass er wörtlich übersetzt funktioniert, ist Dorota Masłowskas Wojna polsko-ruska pod flagą biało-czerwoną. Wörtlich übersetzt hieße das: „Polnisch-russischer Krieg unter weiß-roter Flagge“. Durch Masłowskas Debüt ziehen sich zwei rote (oder weiß-rote) Fäden, die gleich in den ersten Sätzen als gute und schlechte Nachricht eingeführt werden. Die gute: es soll ein polnisch-russischer Krieg unter weiß-roter Flagge in der Stadt toben. Die schlechte: Magda hat mit dem Protagonisten Andrzej Schluss gemacht. Andrzej schwankt zwischen Trauer und Wut, Zärtlichkeit und Hass. Die Geschichte ist mal mehr, mal weniger kohärent, je nachdem, wie viel Speed der Protagonist gerade genommen hat (meistens viel). Es ist nicht immer klar, was wirklich passiert: Gibt es ein Volksfest namens Russenfrei, an dem Maler durch die Straßen ziehen und die Häuser weiß, die Straße rot anstreichen? Es erscheint unglaubwürdig und doch finden es alle ganz normal. Am Ende wird noch die Autorin als Figur eingebunden, wodurch es zu Andeutungen einer Metaebene kommt.

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Der den Schreibstil prägende Drogenkonsum des Ich-Erzählers sollte offenbar in vielen Übersetzungen schon im Titel angedeutet werden. Die französische Ausgabe trägt den Titel Polococktail Party, ein Neologismus, dessen Bestandteil „Polo“ wohl weniger auf den Sport als auf das Land „Pologne“ anspielen soll. Cocktails spielen allerdings keine Rolle im Roman. Die italienische Übersetzung ist Prendi tutto betitelt: „Nimm alles“, was sich auf den Protagonisten beziehen kann, der alle verfügbaren Drogen nimmt, oder auf Magda, die ihm alles genommen hat. Beide Übersetzungen entfernen sich sehr weit vom Ausgangstitel.

Die im Feuilleton viel gelobte Übersetzung ins Deutsche von Olaf Kühl greift immerhin die Farben und das Wort russisch auf: Schneeweiß und Russenrot. Zusätzlich bietet der Wortteil „Schnee“ die Assoziation zu Drogen, auch wenn es eigentlich ein Synonym für Kokain oder Heroin ist, nicht für Speed, das aber immerhin auch ein weißes Pulver ist. Die Assoziation zu dem Grimm‘schen Märchen Schneeweißchen und Rosenrot ist hingegen eher irreführend. Mir fällt kein Zusammenhang ein, der nicht allzu weit an den Haaren herbeigezogen wäre. Vielleicht soll es einen Kontrast aufrufen: Im Märchen sind die Mädchen brav und ordentlich und es geht am Ende gut aus – im Roman sind sie versiffte, egoistische Fotzen (um in Masłowskas/Kühls Duktus zu sprechen), und am Ende weiß man nicht, wie es jemals wieder gut werden soll. Obwohl der Zusammenhang eher schwach ist, wird diese Märchenassoziation in der niederländischen (Sneeuwwit en Russisch rood) und der amerikanischen (Snow White and Russian Red) Ausgabe aufgegriffen. In der britischen Ausgabe, obgleich vom selben Übersetzer und im selben Verlag erschienen, beschränkt man sich auf die Farben: White and Red. Zuerst fand ich Schneeweiß und Russenrot eine weder adäquate noch schöne Übersetzung, mich störte wie gesagt besonders die Märchenassoziation. Allerdings muss man sagen, dass eine wörtliche Übersetzung wohl auch keinen adäquaten Eindruck des Romans vermittelt hätte.

Giuseppe Tomasi di Lampedusa: Il gattopardo

Ein klassischer Fall, bei dem die (Neu-)Übersetzung des Titels in allen Feuilletons besprochen wurde, ist Giuseppe Tomasi di Lampedusas Il Gattopardo, zuerst übersetzt von Charlotte Birnbaum und 1959 bei Piper erschienen unter dem Titel Der Leopard. Ähnlich in der englischen, französischen, russischen und niederländischen Übersetzung: The Leopard, Le Guépard, Гепард (Gepard), De Tijger Kat.

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Ein „Gattopardo“ ist aber kein Leopard, kein Gepard und kein Tiger: „Gattopardo“ wird im Italienischen für zwei verschiedene Kleinkatzen verwendet, den amerikanischen Ozelot und den afrikanischen Serval. Der Ozelot gehört zu den Pardelkatzen, ist aber trotz des lateinischen Gattungsnamen leopardus nicht näher mit dem Leoparden verwandt, der zur Unterfamilie der Großkatzen gehört. Der Serval, lat. leptailurus serval, ist der einzige Vertreter seiner Gattung. Es ist nicht klar, welche Art Tomasi di Lampedusa im Sinn hatte, Serval oder Ozelot.

Die zoologische Verwirrung, die diese kleine italienische Ungenauigkeit verursacht, ist groß. Giò Waeckerlin Induni, Übersetzerin der neuen Ausgabe von 2004, geht darauf im Vorwort ein und stellt dem eine Aufzählung voran:

„Lat. Felis Pardalis, Felis servalis, ital. gattopardo, servalo, ozelot, dt. Serval, Ozelot, Pardelkatze, hist. Pardus, Parde, Parder, Pardel.“¹

Dadurch, dass sie die lateinischen Namen der alten Systematiken verwendet, die alle Kleinkatzen der Gattung Felis zuordnen, vergrößert sie die Verwirrung, die sie zugleich scheinbar vereinfacht: Bei ihr klingt es so, als seien Serval und Ozelot dasselbe, oder gehörten wenigstens beide zur selben Gattung, und als könnten beide als Pardelkatze bezeichnet werden.

„Pardelkatze“ wäre rein sprachlich tatsächlich am nächsten an „gattopardo“. Aber, wie die Übersetzerin im Vorwort auch erläutert, „Katze“ ist im deutschen femininum, „gatto“ im italienischen maskulinum. Entscheidend ist das Genus deswegen, weil „gattopardo“ im Roman eine Metapher ist. Der Adelsfamilie Salina, deren Abstieg und Verfall im „Gattopardo“ verhandelt wird, diente die Familie des Autors als Vorlage. Die Familie Tomasi di Lampedusa trägt einen Leoparden im Wappen, der Urvater der Familie, ein gewisser Thomaso aus dem 6. Jahrhundert, wurde „der Leopard“ genannt. Dieses Wappentier von einem majestätischen Leoparden zu einer Kleinkatze zu schrumpfen, steht metaphorisch für die verlorene Bedeutung sowohl der ganzen Familie als auch deren Oberhaupts. Und da sich diese Metapher auch auf den pater familias bezieht, kann das Tier schlecht ein feminines Genus haben. Man kann es aber auch nicht einfach beim Leoparden belassen, denn dann entgeht dem Leser der Übersetzung die „bitter-ironische Anspielung“ der „heraldisch-literarische[n] Metamorphose“², wie Andrea Vitello in seiner Lampedusa-Biografie schreibt.

Wie löst nun Übersetzerin Giò Waeckerlin Induni dieses Dilemma? Der Ozelot und der Serval wären beide maskulinum – aber welchen sollte man nehmen? Sie schreibt im Vorwort:

„Für die Übersetzung haben wir uns an die korrekte zoologische Bezeichnung Pardelkatze gehalten; da im Deutschen die Katze weiblich ist, im Italienischen „il gatto“ jedoch männlich, haben wir dem Fürsten Salina den biblischen und dantesken Pardel gelassen, denn schließlich werden ihm, laut seinen Worten, nur die Hyänen und Schakälchen folgen.“³

Der Pardel ist aber eine alte Bezeichnung für den Leoparden, manchmal ein Sammelbegriff für alle Großkatzen – also eigentlich genau das, wonach die Übersetzerin nicht gesucht hat. Die „korrekte zoologische Bezeichnung“ ist Pardelkatze auch nicht – Pardelkatze bezeichnet nur den Ozelot. Vielleicht hat sie deshalb den Pardel nicht auf den Titel gesetzt, sondern nur innerhalb des Romans verwendet. Den Titel „übersetzt“ sie mit Der Gattopardo. Lothar Müller hält in seiner Rezension in der Süddeutschen Zeitung vom 29. 06. 2004 diese Lösung für ungeschickt, und hätte lieber einen rein italienischen Titel gesehen. Ich nehme an, dies wurde nicht gemacht, um den Eindruck zu vermeiden, es handle sich um eine italienische Ausgabe.

Man sieht: Das Übersetzen ist mitunter eine hochkomplizierte Angelegenheit. Wer die perfekte Lösung weiß, werfe das erste Buch. Ich weiß sie nicht, aber dass Salina seine künftigen Nachfolger als Hyänen und Schakälchen bezeichnet, spräche doch für den Serval, denn Hyänen und Schakale gibt es im Lebensraum des Ozelot nicht. Mir ist klar, dass es hier um Metaphern geht, aber bei Metaphern sollte man im Bild bleiben, auch geografisch sozusagen. Außerdem sehen Servale aufgrund ihrer großen Ohren lächerlicher aus als Ozelote *no body shaming*.

Dorota Masłowska: Paw królowej

paw-krolowejAuch zoologisch frei, dabei aber treffend, hat der oben bereits erwähnte Olaf Kühl einen weiteren Titel von Dorota Masłowska übersetzt. Paw królowej bedeutet wörtlich „der Pfau der Königin“, aber auch „die Kotze der Königin“. Wortspiele zu übersetzen ist immer eine besondere Herausforderung. Hier kam Olaf Kühl entgegen, dass es auch im Deutschen eine Wortspielmöglichkeit aus den Bereichen Erbrechen und Vogel gibt, und so betitelte er seine Übersetzung mit: Die Reiherkönigin. Es kommt noch hinzu, dass der Text stilistisch ein Rap ist, eine Stilform, die stark von der Reihung lebt. Keine Ahnun9783462037784g, ob das auch im polnischen Original anklingt. Der Pfau gilt als besonders schmückender Vogel, der Reiher nicht, auch ist im Original der Vogel Eigentum der Königin, nicht die Königin selbst und reihern ist eine Tätigkeit, kein Produkt. Irgendetwas geht meistens verloren, anderes kommt hinzu. Unter den gegebenen Umständen erscheint mir Die Reiherkönigin eine gelungene Übersetzung des Titels zu sein.

Olaf Kühl wird übrigens nächste Woche, am Mittwoch den 28.09.2016, mal wieder ein Preis verliehen. Zusammen mit dem polnischen Autor Szczepan Twardoch erhält er den renommierten, zum achten Mal vergebenen „Brücke Berlin“ Literatur- und Übersetzerpreis.

Niccolò Ammaniti: Io non ho paura

Ammanitis Io non ho paura ist nicht für Kinder, aber aus Kindersicht geschrieben. Es ist sprachlich wunderschön und hat mich auch inhaltlich tief berührt: Irgendwo im ländlichen Süden Italiens entdeckt der 9-jährige Michele in der Nähe eines verfallenen Landguts in einem mit einer Matratze verdeckten Loch im Boden einen fremden, abgerissenen Jungen seines Alters. Diese Entdeckung verstört ihn und lässt ihn nicht los. Immer wieder muss er hin, obwohl es verboten ist und er zunächst Angst vor dem Jungen hat. Schließlich kommt er dahinter, dass alle Erwachsenen des sehr kleinen Dorfes (insgesamt fünf Häuser) an der Entführung des reichen Jungen aus Norditalien beteiligt sind. Doch es läuft nicht wie geplant und Michele setzt sein Leben aufs Spiel, um den Jungen zu retten. Der Titel ist wie ein Mantra, das er immer wieder vor sich hin sagt, um den Mut dazu aufzubringen: „Io non ho paura – Ich habe keine Angst.“

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Völlig unverständlich, wie man beim Bertelsmann Verlag darauf kommen konnte, die Erstauflage der Übersetzung von 2003 unter dem Titel Die Herren des Hügels zu publizieren. Es ergibt einfach keinen Sinn – sicher, das Loch, in dem der Junge gefangen gehalten wird, befindet sich auf einem Hügel, aber wer sollen die Herren sein? Die Erwachsenen, die ihn entführt haben? Diese Erwachsenen spielen kaum eine Rolle im Roman, die Perspektive ist stets ganz nah an Micheles Erleben, an seinem Unverständnis, seinen Ängsten und wie er sie immer wieder überwindet. Der italienische Originaltitel ist ideal und funktioniert als wörtliche Übersetzung ins Deutsche (und Französische und Englische und Niederländische … ) wunderbar. Zum Glück ist der Roman seit 2004 unter dem Titel Ich habe keine Angst bei Goldmann erhältlich.

An dem abwegigen ersten Titel war der Übersetzer Ulrich Hartmann sicherlich unbeteiligt, denn auch die Taschenbuchausgabe bei Goldmann beruht auf seiner Übersetzung (Bertelsmann und Goldmann gehören beide zur Random-House-Gruppe). Ich hatte beim Verlag nachgefragt, auf welchen Gründen die Titelwahl jeweils basierte, habe aber leider noch keine Antwort erhalten. Das Buch war zwischen der Hardcover und der Paperbackausgabe verfilmt worden, und der Film von Gabriele Salvatores lief in Deutschland unter dem Titel Ich habe keine Angst. Das mag den Ausschlag für den Titelwechsel bei Goldmann gegeben haben.

[Edit: Zu dem Titel von Ammaniti habe ich inzwischen einen Kommentar der Lektorin bekommen und einen kleinen ergänzenden Beitrag verfasst.]

Susanna Tamaro: Per voce sola

per-voce-solaIm Falle von Susanna Tamaros Erzählband Per voce sola dachte ich zunächst, es läge eine ebenso unsinnige freie Übersetzung vor, denn der von Maja Pflug übersetzte deutsche Titel des Bandes lautet: Love.

„Per voce sola“ ist ein Begriff aus der Musik, der im Deutschen mit „Einzelstimme“, oder üblicher mit „Solostimme“ ausgedrückt wird. Was hat das mit Liebe zu tun und wieso muss der deutsche Titel dann auch noch auf englisch sein? Nur die Ruhe – es ist ein Erzählband. In dem eine Erzählung namens Per voce sola vorkommt und eine namens Love. Auch im Italienischen. Wenn ich mich recht entsinne, ist Love der Name des Mädchens, um das es in der Geschichte geht. Der Deutsche Titel des Erzählbandes ist also gar nicht frei übersetzt, es wurde lediglich eine andere Erzählung als Titelgeschichte gewählt. Für loveEinzelstimme klingt längst nicht so schön wie Per voce sola und hätte wahrscheinlich wirklich als Titel nicht gut funktioniert. Dennoch gibt Love für mich keinen treffenden Eindruck der Erzählungen wieder, denn ich fand den Titel marktschreierisch und kitschig – Love, eine Pop-Version von Liebe. Die Geschichten sind aber gar nicht so.

Simon van der Geest: Geel gras

geel-grasDieser schöne, knappe niederländische Titel – „knapp“ bedeutet im Niederländischen übrigens sowohl „klug“ als auch „attraktiv“, weil das schließlich dasselbe ist! – fiel offenbar einer Modeerscheinung zum Opfer: dem Bandwurmtitel, der gleich eine Kurzzusammenfassung bietet, und lautet also Der Sommer, in dem ich berühmt werde (ohne dass meine Eltern es merken). Schwer vorstellbar, dass die Übersetzerin Eva Schweikart ihn zu verantworten hat; das muss eine Kopfgeburt der Marketingabteilung sein.
Diese ganzen Der Sommer, in dem blablabla-Titel sind für mein Empfinden grässlich. Wie schön bildlich und doch mysteriös ist dagegen Geel gras – „Gelbes Gras“. Das Buch beginnt damit, dass ein Mädchen am Morgen auf dem Campingplatz aus seinem Zelt kriecht und einen gelben Fleck auf der Wiese sieht. Die Eltern haben das große Zelt abgebaut und sind ohne sie weggefahren. Sie haben sie vergessen. Jedes Kind, das scder-sommer-in-demhon einmal ein Zelt abgebaut hat, dürfte sich an den merkwürdigen Anblick des zerdrückten, gelb gewordenen Grases darunter erinnern. Für mich war das als Kind ein sehr eindrückliches Bild, das von Vergessen und Verlust sprach – man hatte das Gras unter dem Zelt ganz vergessen und jetzt war es wieder zu sehen und zeigte, dass es ihm nicht gut ergangen war, zugleich bedeutete das Abbauen des Zeltes und damit der Anblick des gelben Grases, dass der Sommer, oder doch zumindest das Zelten vorbei war – da auf dem gelben Fleck hatten wir nachts gekichert, gequatscht und nicht schlafen können – Verlustgefühle. Vielleicht war ich als Kind einfach nur komisch, aber ich glaube, Gelbes Gras wäre ein besserer Titel gewesen.

… denn sie wissen nicht, was sie tun?

Übersetzer wissen im allgemeinen sehr wohl, was sie tun. Und auch Verlage denken sich ihren Teil – aber manchmal fragt man sich halt schon, was zur Hölle sie sich dabei gedacht haben. Kennt ihr auch Titel, über deren Übersetzung Ihr nur den Kopf schütteln konntet? Oder solche, die treffender sind als die Originaltitel? Würde mich sehr interessieren!


Endnoten

¹ Tomasi di Lampedusa, Giuseppe: Der Gattopardo. Roman. Neuausgabe. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Giocchino Lanz Tomasi. Aus dem Italienischen und mit einem Glossar von Giò Waeckerlin Induni, Piper 2004, S. 5.

² Beide Zitate zitiert nach: Ebd. S. 6.

³ Ebd.

Besprochene Literatur im Original und in der deutschen Übersetzung

  • Masłowska, Dorota: Wojna polsko-ruska pod flagą biało-czerwoną, Wydawnictwo Lampa i Iskra Boża 2002.
  • Masłowska, Dorota: Schneeweiß und Russenrot. Deutsch von Olaf Kühl, Kiepenheuer & Witsch, 2004.
  • Tomasi di Lampedusa, Guiseppe: Il Gattopardo. Feltrinelli 2002.
  • Tomasi di Lampedusa, Guiseppe: Der Gattopardo. Deutsch von Giò Waeckerlin Induni, Piper 2004.
  • Masłowska, Dorota: Paw królowej. Wydawnictwo Lampa i Iskra Boża 2005.
  • Masłowska, Dorota: Die Reiherkönigin. Deutsch von Olaf Kühl, Kiepenheuer & Witsch, 2007.
  • Ammaniti, Niccolò: Io non ho paura, Einaudì 2001.
  • Ammaniti, Niccolò: Ich habe keine Angst. Deutsch von Ulrich Hartmann, Goldmann 2004.
  • Tamaro, Susanna: Per voce sola, Marsilio 1991.
  • Tamaro, Susanna: Love. Deutsch von Maja Pflug, Diogenes 1992.
  • Geest, Simon van der: Geel gras, Querido 2009.
  • Geest, Simon van der: Der Sommer, in dem ich berühmt werde (ohne dass meine Eltern es merken). Deutsch von Eva Schweikart, Oetinger 2011.
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7 Gedanken zu “… denn sie wissen nicht, was sie tun?

  1. Interessanter Beitrag!
    Die blödeste Übersetzung verfolgt mich nun seit 20+ Jahren. Als Kind habe ich die „Geheimnis um…“-Reihe von Blyton gelesen. Dort gab es einen Teil, der im Original „The Mystery of the Strange Bundle“ hieß, in der Übersetzung „Geheimnis um einen roten Schuh“. An und für sich nicht so wild, leider war eben dieser rote Schuh auch die Lösung des Rätsels und damit schon im Titel verraten. Es wird eingebrochen, offenbar hat jemand nach was ganz speziellem gesucht, aber bis zum Ende weiß keiner, was es ist… Also wenn man den Titel übersehen hat zumindest. Das hat mich damals echt wütend gemacht 🙂
    Ansonsten verstehe ich manchmal so sehr blumige Übersetzungen nicht. Warum „My Name is Lucy Barton“ „Die Unvollkommenheit der Liebe“ wird oder aus „Dust“ „Der Ort an dem die Reise endet“ – die Liste ist prinzipiell unendlich. Aber da sitzen sicher smarte Leute und überlegen sich das.

    Gefällt 2 Personen

  2. Autsch! Das ist ja übel! Aber Enid Blyton ist insgesamt richtig schlecht übersetzt worden, das würde heute unter Garantie keiner mehr so machen. Es wurde einfach alles getilgt, was irgendwie den Eindruck erwecken könnte, die Geschichten spielten in England. Ich hatte vor ein paar Jahren mal irgendwo gelesen, dass Hanni und Nanni so extrem schlecht übersetzt wurde und hab mir dann mal das Original vorgenommen – stimmt eindeutig. (Seitdem gehört Enid Blyton im Original zu meinen guilty pleasures.) Hanni und Nanni heißen zum Beispiel Pat und Isabel O’Sullivan und spielen statt in Lindenhof in St Claire’s Lacrosse und nicht Handball. Aber egal, so schlimm wie mit dem Schuhspoiler ist es nicht.
    Das mit den blumigen Titeln kann ich auch null nachvollziehen; die von Dir genannten kenne ich jetzt gar nicht *ähem* – aber sie klingen absolut absurd. Man könnte ja einen Hashtag für solche total absurden Titelübersetzungen lancieren – oder gibt es das vielleicht sogar schon? Wäre doch ganz amüsant.

    Gefällt 2 Personen

    1. Bei der #hashtag-Gesichte wäre ich sofort dabei – blumige Titel oder Bandwurmtitel bzw. einfach nur saublöde Titel – man kommt manchmal aus dem Kopf schütteln nicht heraus. Ein toller Beitrag von Dir, der auch die ganze Bandbreite aufzeigt – die Probleme, die der Gattopardo den Übersetzern verständlicherweise verursachen muss bis hin zum Beispiel „Gelbes Gras“: Da verstehe ich den Verlag absolut nicht (ohne das Buch zu kennen), aber mir erscheint das auf Anhieb griffiger.

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