Comparaison d’être

Ich bin Komparatistin, weil ich das Vergleichen liebe. Comparaison comme raison d‘être!

Homo sapiens sapiens präsentiert sich meist weder weise noch einsichtsvoll, und provoziert so immer wieder Einzelexemplare der Art, Namen zu prägen, die die conditio humana treffender beschreiben.

Nach einer Phase blinden Optimismus, in der das sapiens nur leicht variiert wurde zum rationabilis (nicht mehr weise, aber doch noch vernünftig), wurden später andere Aspekte betont. Im Konstrukt des homo oeconomicus wird zwar am Rationalitätsprimat festgehalten; allerdings paart sich ratio jetzt mit einem ausgeprägtem Eigeninteresse und zeigt sich daher vordringlich im Streben nach Nutzenmaximierung. Max Scheler bringt 1928 den Aspekt des Schaffens ein und macht den Menschen zum homo faber.  Ausgerechnet 1938 konstatierte der niederländische Kulturhistoriker Johan Huizinga, der Mensch sei ein homo ludens, denn er lerne hauptsächlich durchs Spielen. 1958 griff Ralf Dahrendorf Aristoteles‘ zoon politikon wieder auf und konstruierte den Menschen als homo sociologicus, als ein Wesen also, dass durch die Gesellschaft bedingt ist. Odo Marquard schließlich sieht den Menschen wenig positiv als „Defektflüchter“ und prägte den Begriff homo compensator, von Alexander Kluge aufgegriffen und mit Leben gefüllt –  ihm zufolge kann der Mensch als homo compensator das Schreckliche nicht aushalten, ohne etwas Tröstendes, und so kam der Antirealismus des Gefühls endlich zu seinem Recht.

Alle diese Prägungen haben etwas für sich (obwohl der homo oeconomicus in seiner geistigen Heimat, den Wirtschaftswissenschaften, inzwischen ganz schön out ist), und betonen doch immer nur Teilaspekte. Der Mensch hat zu viele Facetten, als dass er sich so leicht auf den Begriff bringen ließe, und wozu eigentlich? Am besten kommt man ihm, ihr und ihren Werken bei, indem man Facettenreichtum anerkennt und noch forciert, indem man vergleicht – nicht Gleiches mit Gleichem, und auch nicht Ähnliches mit Naheliegendem, sondern Absonderliches mit Möglichstweithergeholtem, entsprechend dem von Darwin beschriebenen Prinzip der sexuellen Selektion: Am fruchtbarsten sind Kombinationen da, wo eine gewisse Ähnlichkeit und Kompatibilität gegeben ist, aber doch auch soviel Andersartigkeit, dass es aufregend wird und eine zu große genetische Schnittmenge ausgeschlossen werden kann.

Bei derart unerwarteten Kombinationen kommt es im Idealfall zu etwas, dass Walter Benjamin „profane Erleuchtung“ nannte. Diese Licht auf den homo faber-oeco-socio-rationabilis werfenden Erkenntnisblitze sind dem homo sapiens-ludens-compensator oft ein solches Glück, dass sie ihm als letzter Sinn des Lebens erscheinen.

Ich möchte auf dieser Website meine Leser an meinen eigenen profanen Satori teilhaben lassen, ich vergleiche Literatur mit anderen Künsten, ziehe Verbindungen zu Natur-, Kultur- und Gesellschaftswissenschaften, verknüpfen Hoch- mit Populärkultur und Theorie mit Praxis, ohne behaupten zu wollen, dass es da konkrete Grenzen gäbe. Aber ich will auch Material einstellen, dass die Leser dazu anregen möchte mitzuspielen, sich im Vergleichen und Kombinieren zu probieren, auf dass es zu möglichst vielen erkenntnisbedingten pleasure overloads kommen möge.

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